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Wolfgang Belitsch, neuer Studiengangsleiter von „Industrielle Mechatronik“. Foto: FH JOANNEUM / Privat

Im Gespräch: Wolfgang Belitsch, neuer Studiengangsleiter von „Industrielle Mechatronik“

Mag. Marion Velik,

Im Herbst 2021 startet der duale Bachelorstudiengang „Industrielle Mechatronik“* erstmals an der FH JOANNEUM Kapfenberg. Studiengangsleiter ist der Leobener Wolfgang Belitsch. Wir haben ihn zum Gespräch gebeten.

Wie sieht Ihr persönlicher Werdegang aus?

Nach dem Abschluss der HTL für Elektrotechnik in Kapfenberg habe ich an der Karl-Franzens-Universität in Graz Physik studiert, wobei ich meine Diplomarbeit in der AVL List GmbH durchgeführt habe. Während meiner Doktorarbeit an der Uni Leoben war ich unter anderem als Vertragsassistent am Institut für Physik in der Lehre tätig. Danach arbeitete ich 15 Jahre lang bei der Firma Labor für Messtechnik, Dr. Hans Stabinger GmbH, wo Messgeräte für die Untersuchung von Flüssigkeitseigenschaften erfunden und entwickelt wurden. In dieser Firma war ich zwölf Jahre lang als technisch-wissenschaftlicher Leiter tätig und hatte die Prokura.

Im Jahr 2014 habe ich ein Einzelunternehmen gegründet und neben meiner Tätigkeit als Firmenberater eigene Messgeräte erfunden und bis zur Marktreife entwickelt.

Seit 2017 bin ich Lizenzgeber für die Firma eralytics GmbH, welche die von mir entwickelten Messgeräte produziert und weltweit verkauft. Da ich in Leoben aufgewachsen bin und die HTL in Kapfenberg abgeschlossen habe, freue ich mich darauf, wieder in meiner alten Heimat tätig zu sein.

Was sind Ihre inhaltlichen Schwerpunkte im Rahmen der Lehre?

Den Studierenden soll ein breites Basiswissen aus den drei Wissensgebieten Mechanik, Elektronik und Technische Informatik nähergebracht werden. Das geht natürlich nur, wenn die Lehrinhalte gut aufeinander abgestimmt sind. Deshalb soll anhand von ausgewählten mechatronischen Systemen ein Verständnis für das interdisziplinäre Zusammenwirken der drei Wissensgebiete gelehrt werden. Diese mechatronischen Systeme sollen mit den Ausbildungsunternehmen gut abgestimmt werden, damit sich für die Studierenden ein roter Faden vom Erlernen der Grundlagen über das Üben im Labor bis hin zur Anwendung in der Betriebspraxis durchzieht.

Auf die Mechatronikerinnen und Mechatroniker wartet ein breites Feld an Anwendungsmöglichkeiten – von Produktionssystemen bis hin zu Messgeräten. Deshalb soll den Absolventinnen und Absolventen des Bachelorstudiengangs „Industrielle Mechatronik“ eine gute Basis mitgegeben werden, damit sie sich leicht in neue Wissensgebiete selbstständig einarbeiten können.

Was sind Ihre inhaltlichen Schwerpunkte im Rahmen der Forschung?

In Kapfenberg ist schon ein Team von Lehrenden vorhanden, das auch in der Forschung tätig ist. Ich will den gemeinsamen Fokus auf die Erforschung von mechatronischen Systemen mit Schwerpunkt auf das Zusammenwirken der elektronischen und mechanischen Komponenten richten, da das das Wesen der Mechatronik ist. Dabei will ich die Ausbildungsunternehmen mit einbeziehen, weil sich so die Studierenden mit den aktuellen Forschungsthemen der Firmen befassen und die Lehrenden mit den Unternehmen kooperieren können und so ein Gewinn für alle drei Beteiligten entstehen kann.
Außerdem will ich mit den ansässigen Studiengangsleiterinnen und -leitern Kontakt aufnehmen, um Synergien zu nutzen und so die F&E-Aktivitäten am Standort Kapfenberg gemeinsam weiter auszubauen.
Ich persönlich habe über 23 Jahre Erfahrung mit der Erforschung und Entwicklung von mechatronischen Messsystemen und will mich bei der Sensorik und Aktuatorik als Schnittstelle der mechanischen mit den elektronischen Komponenten einbringen.

Was möchten Sie im nächsten Jahr umsetzen? Welche Meilensteine möchten Sie erreichen?

Ich will für jede Studentin und jeden Studenten einen attraktiven Praktikumsplatz in einem Unternehmen fixiert haben. Außerdem will ich gemeinsam mit dem Team mechatronische Forschungsprojekte in Kooperation mit Ausbildungsunternehmen starten.
Und die Entwicklung eines Mechatronik-Masterstudienganges ist mir ein Anliegen. Denn einerseits ist es für Studienanfänger attraktiver ein Studium zu beginnen, bei dem zumindest die Möglichkeit besteht, mit dem Master abzuschließen, auch wenn man es dann vielleicht doch nicht tut. Andererseits ist neben Maschinenbau, Elektronik und Technische Informatik die Mechatronik, die sich mit dem Zusammenwirken der drei genannten Disziplinen beschäftigt, eine eigene Disziplin, die nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu sehen ist.

Worauf legen Sie bei Studierenden Wert?

Dass sie neugierig sind und Fragen stellen. Damit geben sie den Lehrenden ein Feedback und helfen anderen Studierenden, die sich diese Frage nicht zu stellen getraut hätten. Eigeninitiative beim Lernen neuer Themen. Auf einen achtsamen Umgang mit Mensch und Umwelt – darauf lege ich nicht nur bei Studierenden Wert. Teamgeist, das bedeutet für mich einerseits sich gegenseitig zu helfen und bei Problemen in der Teamarbeit nach Lösungen und nicht nach Schuldigen zu suchen – viele Arbeitsgruppen beziehungsweise Firmen würden mit diesem Teamgeist viel besser funktionieren.

Was hat Sie dazu bewogen, sich als Studiengangsleiter zu bewerben?

Ich spiele schon seit vielen Jahren mit dem Gedanken, irgendwann in die Lehre zu gehen, weil mir der Austausch mit Studierenden schon in meiner Zeit als Assistent viel Freude bereitet hatte. Als im Herbst 2020 klar wurde, dass die Serienüberleitung eines von mir entwickelten Messgerätes im ersten Quartal 2021 abgeschlossen sein würde, war für mich der Zeitpunkt gekommen, meine Fühler in diese Richtung auszustrecken. Durch einen Freund bin ich auf die Ausschreibung der Stelle des Studiengangsleiters für Mechatronik gestoßen, die mich sehr angesprochen hatte - auch weil ich bei der Entwicklung von Messgeräten immer in interdisziplinären Teams zusammengearbeitet habe. Diese Teams bestanden vor allem aus Elektronikern mit Maschinenbau-Verständnis, Maschinenbauern mit Elektronik-Verständnis und Programmierern, die auch von beidem eine Ahnung hatten. Deshalb freut es mich, an einem Studium mitgestalten zu können, das den Studierenden eine Basis an allen drei Disziplinen vermittelt, als Alternative dazu, sich erst nach dem Studium das Wissen in der fehlenden Disziplin aneignen zu müssen.

Das Bachelorstudium startet erstmals im Herbst 2021 vorbehaltlich der Genehmigung durch die zuständigen Gremien.

Hinweis:

Hier finden Sie alle Informationen rund um das duale Bachelorstudium „Industrielle Mechatronik“.