Präventive physiotherapeutische Maßnahmen für Soldatinnen und Soldaten des österreichischen Bundesheeres nach positiver COVID -19 Testung
Johannes Kouba studiert „Physiotherapie“ und ist Soldat beim österreichischen Bundesheer. Foto: Johannes Kouba

Präventive physiotherapeutische Maßnahmen für das Bundesheer

Ulrike Sengseis,

Die COVID-19-Pandemie hat in allen Bereichen der Gesellschaft zu Herausforderungen und besonderen Handlungsschritten geführt. Neben vielen präventiven Maßnahmen wurden auch verschiedenste therapeutische Ansätze diskutiert und erprobt. Je nach Krankheitsverlauf sind unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll. Sowohl bei schweren Erkrankungen, als auch bei milden Verläufen kann die Physiotherapie wertvolle Unterstützung bieten, um zusätzliche Verschlechterungen zu verhindern aber auch Funktionen wieder zu erlangen.

Diese Erfahrung konnte auch Johannes Kouba, Studierender des Jahrgangs 2018 am Studiengang „Physiotherapie“, machen. Er ist Soldat beim Österreichischen Bundesheer und möchte in Zukunft diese Funktion mit dem Beruf des Physiotherapeuten kombinieren. Vor dem Physiotherapiestudium sammelte er als Sanitäter (Combat Medic) des Österreichischen Bundesheeres Erfahrungen im In- und Ausland, im Speziellen in der taktischen Einsatzmedizin, wobei hier oft mit den vor Ort vorhandenen Ressourcen und Umfeldbedingungen ein Auslangen gefunden werden muss. Deswegen sind bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten Kreativität und Improvisationstalent gefragt.

Wenn Physiotherapie auf das Bundesheer trifft

Während der COVID-19-Pandemie war Johannes Kouba beratend für Joint Militärmedizin des Kommandos Streitkräfte in der Belgierkaserne in Graz tätig. Die Abteilung ist u.a. für Planung und Steuerung der präklinischen und klinischen Sanitätsversorgung, die Rückholung von verwundeten und kranken Soldatinnen und Soldaten aus dem Ausland, sowie für das Katastrophenmanagement in Österreich verantwortlich.
Bereits vor dem Beginn der COVID-19-Pandemie konnte er Know-how in vielen physiotherapeutischen Bereichen erlangen. Auch die Atmung und der Zusammenhang der Atmung mit allen Körperfunktionen spielte dabei eine große Rolle, so dass er schon viel Wissen im Bereich der Atemphysiotherapie erlangt hatte. Im Rahmen eines Praktikums, in welchem er viele an COVID-19 Erkrankte betreute, wurde der Stellenwert der Physiotherapie in diesem Fachbereich für Johannes Kouba sehr deutlich.

Präventive physiotherapeutische Maßnahmen für Soldatinnen und Soldaten des österreichischen Bundesheeres nach positiver COVID-19 Testung

Dieses Wissen und die Erfahrung aus Ausbildungen und Auslandseinsätzen machten für ihn klar, dass vor allem Bedienstete, die sich im Auslandseinsatz befinden, aber auch Kameradinnen und Kameraden, die sich im Inland aufhalten und in Heimquarantäne entlassen werden, abseits der konventionellen Versorgung von physiotherapeutischen Maßnahmen profitieren können. Dadurch wurde die Notwendigkeit erkannt, eine Handlungsempfehlung für Bedienstete des Österreichischen Bundesheeres nach positiver COVID-19 Testung zu verfassen.
„Die medizinischen Vorausbildungen, die atemphysiotherapeutische Ausbildung an der FH JOANNEUM, das Praktikum in der COVID-19-Akutstation, die Schulungen über Verhalten in Isolation, die Eindrücke als Verletzter oder Helfer in Einsätzen gaben den Anstoß für dieses Projekt“, berichtet Johannes Kouba.

Es wurde ein Grundkonzept über die Problemstellung und dem Mehrwert von physiotherapeutischen Maßnahmen nach positiver COVID-19-Testung ausgearbeitet, welches den Vorgesetzten präsentiert wurde. Johannes Kouba wurde dabei von Medizinerinnen und Medizinern und einem Psychologen der Spezialeinsatzkräfte des Österreichischen Bundesheeres und aus COVID-19-Fachabteilungen, von Ulrike Sengseis vom Studiengang „Physiotherapie“ der FH JOANNEUM, aber auch von Kameradinnen und Kameraden im In- und Ausland tatkräftig unterstützt.

Der Handlungsvorschlag beinhaltet medizinische und physiotherapeutische Empfehlungen, damit der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden kann. Ebenso kann dadurch das medizinische Personal vor Ort zu unterstützt und den Betroffenen Sicherheit gegeben werden. Deswegen wurde der Fokus auf die Umsetzbarkeit mit vorhandenen Materialien und Einrichtungsgegenständen gesetzt, welche sowohl in Heimquarantäne als auch im Auslandseinsatz vor Ort sind. In dem mehrseitigen Dokument werden Empfehlungen für eine Tagesstruktur und -gestaltung in Quarantäne dargelegt. Ziel dabei ist es, aktiv zu bleiben, ohne die Genesung durch übermäßiges Training negativ zu beeinflussen, respiratorische Probleme zu reduzieren und auch die psychologische Belastung in der Isolationssituation zu verringern. Präventive atemphysiotherapeutischen Maßnahmen werden mit Dehn- und Koordinationsübungen des Heeresportzentrums ergänzt.

Eine gelungene Zusammenarbeit

Gerade in Hinblick auf die durchaus beängstigende Berichterstattung der letzten Monate und der oftmals reduzierten medizinischen Versorgungsmöglichkeiten im Ausland, soll durch die Handlungsempfehlung eine zusätzliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes verhindert und somit aufwändige Evakuierungen bzw. zusätzliche Belastungen von Krankenhäusern bestmöglich vermieden werden. Von Seiten des Österreichischen Bundesheeres wird die Handlungsempfehlung intern veröffentlicht und ist somit für alle Betroffenen zugänglich.

Große Bedeutung hat auch die Evaluierung des Projekts, darum steckt sich Johannes Kouba auch noch weitere Ziele: „Wir müssen die Bedürfnisse der Soldatinnen und Soldaten evaluieren, Verbesserungsmöglichkeiten erkennen, ökonomische Lösungen finden und eine patientenorientierte Umsetzbarkeit erreichen.“ Durch die zukünftige Rolle von Johannes Kouba als Soldat und Physiotherapeut und die bisherige gute Zusammenarbeit des Studiengangs „Physiotherapie“ mit dem Österreichischen Bundesheer sind noch weitere gemeinsame Projekte geplant.

Wir freuen uns auf einen bereichernden Austausch und eine gute Kooperation!