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Hate Speech in der Steiermark

Forschungsprojekt NoHate@WebStyria FH JOANNEUM, 08. Februar 2019
NoHate@WebStyria

Das Projekt NoHate@WebStyria ist eine Kooperation zwischen der FH JOANNEUM, der Karl-Franzens-Universität und der Antidiskriminierungsstelle Steiermark. Foto: T. Chick McClure

Wo hört freie Meinungsäußerung auf und wo fängt Hassrede an? Das Forschungsprojekt NoHate@WebStyria beschäftigt sich mit diesem Spannungsverhältnis. Am 1. Februar 2019 startete das Kooperationsprojekt von UNI-ETC, der Antidiskriminierungsstelle Steiermark und des Instituts Journalismus und Public Relations der FH JOANNEUM.

„Die Gewalt in der Sprache feiert eine Renaissance.“ Sandro Droschl, Kurator der Ausstellung Hate Speech und Leiter des Künstlerhauses Graz, findet sehr klare Worte für Hassrede. Die Ausstellung startete am 1. Februar 2019 – zeitgleich mit dem offiziellen Projektstart von „NoHate@WebStyria: Hate Speech im digitalen Zeitalter. Bestandsaufnahme, Bewusstseinsbildung und Gegenstrategien für die Steiermark“. Zu diesem Anlass besuchte das Projektteam die Eröffnung im Künstlerhaus Graz.

Was ist Hate Speech?

Das Forschungsprojekt NoHate@WebStyria widmet sich dem Phänomen der Hassrede im Internet. Die Digitalisierung schreitet voran und erleichtert uns in vielen Bereichen das Leben. Kommunikation wird einfacher und effizienter, Wissen ist schnell abrufbar und wir lassen uns von Robotern wie Alexa oder Siri in unserem Alltag unterstützen. Allerdings gibt es auch negative Aspekte: Hate Speech oder Hassrede ist ein solcher, der aktuell die Demokratie vor neue Herausforderungen stellt. Gemeint sind damit Beleidigungen im Internet sowie der Aufruf zur Gewalt gegen Gruppen aufgrund von persönlichen Merkmalen, wie ethnischer Herkunft, Geschlecht oder Sexualität. Im Fokus steht unter anderem die Bewusstseinsbildung, also die Bereitstellung von passenden Informationen für einzelne Zielgruppen. NoHate@WebStyria ist ein Kooperationsprojekt, geleitet vom Europäischen Trainings- und Forschungszentrums der Universität Graz (UNI-ETC) sowie den beiden Partnerinnen Antidiskriminierungsstelle Steiermark und Web Literacy Lab des Instituts Journalismus und PR der FH JOANNEUM. Gefördert wird das Projekt durch den Zukunftsfonds Steiermark im Rahmen der 10. Ausschreibung „Digitalisierung“.

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Kick-off mit den Projekt-Partnerinnen und Partnern zu NoHate@WebStyria

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Eva Goldgruber, Sonja Radkohl (beide FH JOANNEUM) und Gregor Fischer (UNI-ETC) bei der Ausstellungseröffnung.

Hate Speech in der Steiermark

Zwischen freier Meinungsäußerung und Hate Speech

„In Worte gegossener Hass, egal ob on- oder offline, beeinflusst nicht nur direkt Betroffene, sondern auch die Art und Weise, wie öffentliche Debatten geführt werden – und damit ganze Gesellschaften und ihre kollektiven Willensbildungsprozesse“, so Gregor Fischer vom Uni-ETC über Hate Speech. „Die schnelle Verbreitung von Hate Speech im Internet und die mangelnde Effektivität existierender Selbstregulierungsprozesse ruft den Rechtsstaat auf den Plan, der primär für die Umsetzung der Menschenrechte zuständig ist. Wann ist eine Meinung also rechtlich schützenswert und wann überwiegen die Interessen Dritter, die Ziel einer Verbalattacke werden? Gerade die Frage nach dem Umgang mit den Grenzen der Meinungsäußerungsfreiheit gebietet eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Hass im Internet – und NoHate@Web Styria bietet uns die Möglichkeit, eine solche interdisziplinär zu führen.“

Hate Speech – ein aktuelles Thema

NoHate@WebStyria fokussiert dabei, wie der Titel bereits verrät, besonders auf die Hassrede in der Steiermark. Wo ist der gesetzliche Rahmen? Wie nehmen Steirerinnen und Steirer Hate Speech wahr? Und welche Auswirkungen hat Hate Speech auf das Verständnis von Demokratie in der Steiermark? „Die Aktualität des Projektes könnte größer nicht sein“, sagt Wolfgang Benedek, Projektleiter von NoHate@WebStyria und Initiator des UNI-ETC. „Bei der Hassrede zeigt das Internet sein negatives Potential. Regional wie international wird derzeit an Ansätzen gearbeitet, wie diesem Phänomen zu begegnen sei. Dabei besteht die Gefahr, dass es leicht zu Überschneidungen mit anderen, ähnlichen Projekten kommen könnte und es stellt sich daher die Frage nach der Besonderheit dieses Projektes und seinem innovativen ‚Mehrwert‘. Diesen sehe ich einerseits im interdisziplinären Ansatz und der Kompetenz der drei Partner, die wissenschaftliche und Praxiserfahrung vereinen. Andererseits ist auch die Zielsetzung der Erarbeitung von Anforderungsprofilen für wirksame Strategien der Bekämpfung von Online Hate Speech zusammen mit Gegenstrategien und Präventionsmaßnahmen sehr konkret und auf eine Verbindung von Theorie und Praxis gerichtet. Somit bestehen beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung des Projektes.“

Die Antidiskriminierungsstelle Steiermark gibt als Praxispartnerin in NoHate@WebStyria Input aus dem aktuellen Umgang mit Hate Speech. Seit April 2017 ist die Gratis-App „BanHate“ auf dem Markt. Diese macht es Usern einfach, mittels Screenshots und Links Hasspostings zu melden. Diese werden von der Antidiskriminierungsstelle weiterverfolgt. Daniela Grabovac stellt BanHate am 4. April 2019 auch im Rahmenprogramm der Ausstellung im Künstlerhaus Graz vor.

Hass im Internet – wer sind die Betroffenen?

Beschimpfungen aufgrund von Hautfarbe, politischer Einstellung oder Sexualität, Aufrufe zu Gewalt gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen in den Kommentarspalten sozialer Medien – Hass kann auch im Internet alle treffen. Susanne Sackl-Sharif, Projektleiterin an der FH JOANNEUM [derzeit in Elternkarenz und vertreten von Eva Goldgruber], hat das Projekt maßgeblich mitinitiiert und spricht ein beispielhaftes Phänomen an: „Frauen – insbesondere wenn sie in der Öffentlichkeit stehen – sind besonders häufig von Hate Speech betroffen. Viele Kommentare umfassen dabei unter anderem geschlechtsbezogene Schimpfwörter wie ‚Hure‘, ‚Bitch‘ oder ‚Schlampe‘ sowie Verweise auf ihr (vermeintlich) sexuelles Verhalten, was auch als ‚Slut Shaming‘ bezeichnet wird. Das Entwickeln von Gegenstrategien sehe ich insbesondere in diesem Bereich als bedeutend an, da bereits sehr junge Frauen damit konfrontiert werden.“

Feministische Themen werden auch in der Ausstellung Hate Speech angesprochen – durch Beiträge zu den Themen Gender am Arbeitsplatz oder durch bewusste Provokation und das Aufzeigen von Stereotypen durch Rollentausch. Die Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung setzten sich mit den vielfältigen Formen von Hate Speech auseinander, von Schilderungen von afrikanischen Sexualarbeiterinnen und -arbeitern bis hin zu einer Video-Collage mit beleidigenden Zitaten von Donald Trump.

Rechtsrahmen, Bewusstseinsbildung, Forschung, Kunst: Hate Speech ist in aller Munde. NoHate@WebStyria vereint durch die Interdisziplinarität die verschiedenen Formen von Hate Speech sowie deren Wahrnehmung und zielt darauf ab, das Phänomen aus sämtlichen Blickwinkeln zu beleuchten.

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