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Man kann ruhig nach den Sternen greifen!

Bettina Gjecaj, 16. Dezember 2020
Man kann ruhig nach den Sternen greifen! 3

In Genf über dem Wasserturm und dem Unternehmen CERN erstreckt sich ein Regenbogen. Foto: Privat

„Informationsdesign“-Studentin Luisa-Christin Kaßler hat ein Praktikum beim Unternehmen CERN absolviert. Im Interview spricht sie über den Bewerbungsprozess, ihre Aufgaben und, was sie vom Praktikum für die Zukunft mitnimmt.

Wie kamst du auf die Idee, bei CERN – der Europäischen Organisation für Kernforschung ein Praktikum zu machen?

Ich wollte unbedingt ein Praktikum machen, in dem ich Wissenschaftskommunikation lerne! Ich finde, wie Wissenschaft oft kommuniziert wird, ist meist sehr verstaubt und undurchsichtig. Ich habe Kunstgeschichte studiert und es gibt einfach soviel Interessantes und Faszinierendes auf der Welt – deswegen habe ich mir gedacht, ich muss die Wissenschaftskommunikation revolutionieren.
Ich wollte das übrigens als Kind schon immer, da war mein Lieblingsbuch ein Lexikon und ich habe überall wo ich war Stifte und Blöcke zum Zeichnen mitgehabt, um alles zu dokumentieren. Und zu CERN bin ich gekommen, weil meine ganze Familie sehr wissenschaftsaffin ist, mein Bruder studiert sogar Physik und beim Rumblödeln mit ihm ist uns dann das CERN eingefallen. Und daraufhin habe ich einfach online nachgeschaut und gesehen, dass sie wirklich Praktika anbieten.

Also, das heißt du hast dich dort gemeldet und sie haben dich dann sofort eingeladen?

Ja, ich habe hingeschrieben, dass mich das voll interessiert und ich gerne wissen würde, wie es funktioniert. Ich glaube sie haben sich noch am selben Tag zurückgemeldet, ob ich ihnen einen Link zu meinem Portfolio schicken kann. Dann habe ich die nächsten 4 Tage und Nächte durchgearbeitet, um ein gutes Portfolio hinzulegen. Zum Glück hat es ihnen sofort gefallen – und im September 2020 bin ich dann tatsächlich für 1 ½ Monate hin!

Wie war es dann tatsächlich dort ein Praktikum zu machen?

Es war so surreal irgendwie, das Forschungszentrum ist so riesig und es gibt so viele Nationen, es war wirklich etwas ganz Besonderes, wo sonst gibt es das? Da arbeiten 30 Nationen an einem Projekt, man hat das Gefühl, sie arbeiten an etwas, was „beyond“ allem ist, und sie arbeiten einfach an den Grundfragen des Lebens. Die Frage, aus was sich unser Universum eigentlich zusammensetzt – man merkt, dass dieser Gedanke die Arbeit dort vorantreibt.

Photo: Foto: Privat

Im Praktikum konnte Luisa-Christin Kaßler viel Interessantes über das Forschungszentrum erfahren.

Der Large Hadron Collider, kurz LHC ist der leistungsfähigste Teilchenbeschleuniger der Welt, für den CERN unter Anderem bekannt ist – wie nah bist du ihm gekommen?

Man muss sich vorstellen, das CERN befindet sich auf einem riesigen Gelände im Grenzgebiet der Schweiz und Frankreichs – ich habe mich öfters verfahren und verlaufen dort! Das ganze Gelände schaut aus wie in den 60er Jahren und die Gänge sind so heftig, sie gehen in alle Richtungen und sind 100erte Meter lang.
Leider befindet sich der LHC ca. 300 Meter unter der Erde, da kommt man nicht hin. Aber den LHC finde ich extrem faszinierend – Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler lassen dort Teilchenbündel an vier Stellen zur Kollision bringen – genau dort, wo sich die Detektoren befinden. Die Detektoren im LHC beinhalten hochentwickelte elektronische Systeme, die den Durchgang eines Teilchens mit einer Präzision von wenigen Tausendstel Millimetern messen. Durch die Erkenntnisse des LHC wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herausfinden, woraus das Universum besteht und wie es funktioniert.

Wie sieht dann die interne Kommunikation über die neuesten Erkenntnisse aus?

Bei CERN gibt es ein total dichtes Netz, wo die Informationen fließen. Konkret gibt einen Newsletter, eine Zeitschrift und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommen mehrmals wöchentlich Emails, in denen die CERN-Chefin Fabiola Gianotti schreibt, was die neuen Entwicklungen sind.
Ich hatte den Eindruck, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich umeinander, sind alle sehr offen und hilfsbereit. Sie sind begeistert von dem was sie tun, haben eine Mission und sind erfreut, wenn jemand Neues kommt.

Photo: Foto: Privat

Ein Labyrinth an Gängen. Einige sind mehrere hunderte Meter lang.

Du hast ja in der Grafikabteilung vom CERN gearbeitet. Was waren da deine konkreten Aufgaben?

Ich durfte ein Design für einen Wasserturm entwickeln, den man von überall sieht und der das neue Wahrzeichen von Cern werden soll. Das war genial, denn man hört ja oft, dass man als Praktikantin der Schani von allen ist, der Kaffee kocht, aber dieses Gefühl hatte ich zum Glück gar nicht.

Was braucht es jetzt deiner Meinung nach, damit Wissenschaftskommunikation spannend wird?

Also ich glaube, es braucht einfach die Begeisterung, von dem der es erzählt. Punkt. Klar, die Wissenschaft muss akkurat sein und man muss der Wahrheit treu bleiben, aber man muss es trotzdem mit Begeisterung erzählen, dann ist es wie Magie, weil wie arg ist es, dass Teilchen, die so klein sind, dass kein Mikroskop sie sehen kann, aufeinander geschossen werden?
Das ist einfach magisch und es entstehen dabei neue Teilchen anstatt, dass es weniger wird, wird es mehr! Sicher gibt es unzählige Formeln, die dahinterstecken, es gibt eine gewisse Tiefe dabei, aber man muss es einfach begeistert kommunizieren, das ist die Message. Man muss das Magische sehen in Allem.

Photo: Foto: Privat

Der Wasserturm ist das Wahrzeichen der Firma CERN.

Es klingt so spannend, dass man da selbst hinwill, wenn du davon erzählst. Und wenn du jetzt in die Zukunft schaust, was schwebt dir da so vor?

Jetzt muss ich mal meinen Bachelor fertig machen – aber ich habe jetzt die nächsten Monate Zeit und möchte mir diese Zeit nehmen um für mich mehr über Kommunikation rausfinden, vor allem wie man Wissenschaft gut kommuniziert. Ich würde einfach gerne lernen, wie man Begeisterung teilt und welche Wege dazu geeignet sind.

Was würdest du jetzt sagen, was dir das Praktikum gebracht hat?

Das Praktikum hat mir sehr viel gezeigt und auch viel für meine persönliche Entwicklung gebracht. Es ist ein tolles Gefühl, wenn du in einer so wahnsinnig bekannten Organisation arbeiten darfst, ich habe viel gelernt und sehr viele coole Persönlichkeiten kennengelernt. Man soll nicht denken, dass man für irgendwas zu schlecht ist oder irgendwas zu weit weg ist, man kann ruhig nach den Sternen greifen, es ist nicht so abwegig, man kann alles schaffen, man muss es nur machen!

Danke für das Interview!

Tipp

Mehr zum Bachelorstudium „Informationsdesign“ finden Sie hier.

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