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Alumnitalk

Paul Krisai in der „längsten Live-Schaltung seines Lebens“

Martin Pfandl, 01. April 2022
Paul Krisai ist Büroleiter des ORF-Büros in Moskau und Absolvent von "Journalismus und Public Relations (PR)". Foto: ORF

Paul Krisai ist Büroleiter des ORF-Büros in Moskau und Absolvent von „Journalismus und Public Relations (PR)“. Foto: ORF

Der „Journalismus und Public Relations“-Absolvent Paul Krisai leitet seit Oktober das ORF-Büro in Moskau. Im Alumitalk sprach er über seine Arbeit in Zeiten von Krieg und Zensur.

Während in der Ukraine Krieg herrscht, schränkt ein neues Zensurgesetz die Berichterstattung in Russland massiv ein. Bis zu 15 Jahre Haft drohen Journalist:innen, welche angebliche Falschinformationen über die russische Armee verbreiten. Trotz der neuen Einschränkungen berichtet Paul Krisai laufend für den ORF aus Moskau. Zwei Stunden stellte sich Krisai den Fragen seines ehemaligen Dozenten Thomas Wolkinger. Zusätzlich konnten Studierende, Mitarbeiter:innen und Absolvent:innen der FH JOANNEUM per Chat eigene Fragen stellen. „Die längste Liveschaltung deines Lebens“, wie es von Wolkinger scherzhaft betitelt wurde.

Krisai berichtete über seine Arbeit unter den neuen Voraussetzungen. So sei das Berichten aus Russland durch das neue Zensurgesetz noch einmal schwieriger geworden: „Man muss sehr genau darauf achten, wie man sich ausdrückt. Das war anfangs eine große Umstellung“. Der Krieg in der Ukraine darf etwa nicht mehr als solcher bezeichnet werden, sondern nur als „Spezialoperation“. Hier sei es wichtig, die Einschränkungen für die Zuschauer:innen transparent zu machen. Zudem falle es immer schwerer, herauszufinden, wie die Bevölkerung dem russischen Vorgehen gegenübersteht. Hier finde eine gewisse Selbstzensur statt: „Die Menschen reden viel weniger mit uns. Wenn sie mit uns reden, verwenden sie stark das Wording aus den Medien, reden also von einer militärischen Spezialoperation.“

Als Berichterstatter sei es wichtig, eine gesunde emotionale Distanz zu den Geschehnissen zu wahren. „In den ersten Tagen war auch keine Zeit, sich emotional mit dem Thema zu beschäftigen. Da ging es vor allem darum, die sich überschlagenden Ereignisse möglichst übersichtlich darzustellen“, so Krisai. Er wolle so lang wie möglich in Moskau bleiben: „Leider können wir in Russland keinen vollkommen freien Journalismus betreiben. Ich bin hier, um ihn so zu betreiben, wie es noch möglich ist. Ich möchte das abbilden, was von außen immer schwieriger zu verfolgen wird, nämlich die Auswirkungen von Putins Ukraine-Feldzug in Russland – den Effekten der Sanktionen, die Stimmung in der Bevölkerung und die politischen Entwicklungen im Kreml. Diese Story ist es wert, erzählt zu werden.“

Über Paul Krisai

Krisai studierte „Journalismus und Public Relations“ an der FH JOANNEUM. Während seines Auslandssemesters in Sankt Petersburg entfachte sich seine Faszination für Russland und Osteuropa. 2017 schloss er sein Studium ab. Praktika absolvierte er unter anderem beim letzten unabhängigen TV-Sender Russlands, dem inzwischen aufgelösten Sender Telekanal Doschd / TV Rain. Anschließend war Krisai Praktikant im Auslandsressort der „Zeit im Bild“ und wechselte danach ins Auslandsressort der Radioinformation. Seit 2019 ist Paul Krisai Korrespondent im ORF-Büro Moskau, dessen Leitung er mit 1. Oktober 2021 übernahm.

Tipp

Weitere Informationen über Paul Krisai finden Sie in seinem Absolvent:innenportrait.

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