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Wenn Mister Market wieder Stimmung macht und das Popcorn leise raschelt
Die besten Finanzgespräche beginnen nicht am Handelstisch oder am glitschigen Börsenparkett. Sie starten dort, wo der Espresso heiß ist und die Gedanken noch unverbogen. Im abgedunkelten Kinosaal roch es nach Popcorn, nicht nach Finanzmarkt. Ein ungewohnter Ort für eine Keynote, aber genau das machte den Nachmittag so charmant. Ich stand auf der Bühne, neben mir der Espresso, den ich mir hinter den Kulissen noch schnell geschnappt hatte. Der Saal füllte sich mit Finanzberaterinnen und Finanzberatern, die gespannt auf die neuesten Marktbewegungen warteten. Ein guter Moment, um darüber zu sprechen, was uns alle beschäftigt: die Unruhe da draußen. Und die Frage, wie man inmitten von Bitcoin-Schwankungen, Gold-Rallyes und Rekord-Cashbergen ruhig bleibt.
Die Märkte spielten in den letzten Wochen wieder Pingpong. Mal rauf, mal runter, mal mit Ansage, mal völlig überraschend. Bitcoin rutschte erstmals seit Monaten wieder unter die Marke von neunzigtausend. Die einschlägigen Foren drehen am Rad, Optionen auf fallende Kurse werden stark nachgefragt, und große Abflüsse aus Krypto-Fonds spiegeln das Stimmungsbild wider. Eine kleine Randnotiz: Im US-ETF-Markt vereinnahmen Kryptowährungen gerade einmal rund ein Prozent des Gesamtmarktes für sich, sind aber der lauteste Gast auf jeder Party.
Ganz anders der stille Riese der Finanzwelt. Die Aktienmärkte. Dort hat sich in den letzten zehn Jahren ein Trend durchgesetzt, der kaum mehr aufzuhalten ist. Mehr als die Hälfte des Geldes fließt inzwischen in klassische Indexfonds. Also ETFs, die einfach den Markt kostengünstig nachbauen. Keine Star-Manager:in, keine Wunderformeln. Nur die nüchterne Idee, dass breite Märkte langfristig steigen und man nicht jeden Tag das Rad neu erfinden muss.
John Bogle, der Gründer von Vanguard, war der Pionier dieser Haltung. Ein Mann, der jahrzehntelang erklärte, dass Kosten der stille Renditekiller sind. Dass breite Streuung mehr bringt als glänzende Prospekte oder die Auswahl einzelner Aktien. Und dass Anleger:innen selbst oft die größten Feinde ihrer eigenen Performance sind. Viele belächelten ihn, weil Indexfonds angeblich die Magie aus dem Investieren nehmen. Bei einer Konferenz fragte ihn ein Manager spöttisch, wie man denn Geld verdienen solle, wenn man einfach nur dem Markt folgt. Bogle soll geschmunzelt haben und gesagt haben: „Indem man aufhört, es dauernd zu verlieren.“
Seine Grundhaltung blieb schlicht. Halte die Kosten niedrig. Bleib breit investiert. Lass den Markt für dich arbeiten. Aktive Fondsmanager:innen versuchen weiterhin, aus einem großen Universum jene Aktien auszuwählen, die den Unterschied machen sollen. Die Erwartung ist klar. Die Titelselektion soll den Gesamtmarkt schlagen. Nur zeigt die Realität etwas anderes. Langfristig schafft es die große Mehrheit der Fonds nicht, nach Kosten besser abzuschneiden als der Index. Mehr als acht von zehn scheitern daran. Genau deshalb greifen immer mehr Menschen zu ETFs. Nicht aus Faulheit. Sondern aus Erfahrung.
Wie sieht das Warren Buffett? Er ist die Antithese des passiven Investierens und setzt gezielt auf wenige Titel. Der Altmeister spricht gern von seinem manisch-depressiven „Mister Market“. Ein Wesen, das zwischen Euphorie und Verzweiflung pendelt. Für Buffett zählt etwas anderes. Er will gesunde und ertragreiche Unternehmen zu einem vernünftigen Preis kaufen. In Übertreibungsphasen kann ein Unternehmen hervorragend dastehen, aber der Preis ist schlicht zu hoch. Genau deshalb schaue ich regelmäßig auf das Portfolio von Berkshire Hathaway. Die Cashreserven stapeln sich dort aktuell wie Sandsäcke an einem Hochwasserufer. Über dreihundert Milliarden Dollar liegen bereit. Ein Signal vielleicht. Oder einfach die Ruhe eines erfahrenen Investors, der weiß, dass Geduld manchmal die beste Performance bringt.
2025 ist auch ein goldenes Zeitalter. Der Preis für das Edelmetall hat sich in lichte Höhen erhoben. Zentralbanken weltweit kaufen, als würden sie einen Notvorrat für stürmische Zeiten anlegen. Besonders China, Indien und Polen legen kräftig zu. Gold wirft keine Zinsen ab und zahlt keine Dividenden, aber es gibt Menschen seit Jahrtausenden ein Gefühl von Sicherheit. Ein psychologischer Anker.
Im Kino erzählte mir später eine Versicherungsvorständin, wie zentral fondsgebundene Lebensversicherungen geworden sind. Ihr Satz blieb hängen. Menschen wollen Ordnung im Finanzchaos, sagte sie. Sie wollen verstehen, was ihre Ersparnisse machen, während sie selbst arbeiten. Ein schöner Gedanke. Mit der richtigen Strategie arbeitet Geld 24/7 für uns. Für mich ist das ein guter Moment, um noch entspannt einen Espresso zu trinken, meinen Sie nicht auch?