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Wöchentlicher Börsenbrief #13

FH JOANNEUM, 26.Juni 2023
Wöchentlicher Börsenbrief von Josef Obergantschnig 1

(c) FH JOANNEUM / Marion Luttenberger

Im wöchentlichen Börsenbrief von Josef Obergantschnig, Fachhochschullektor an der FH JOANNEUM und Gründer von ecobono, gibt es das Börsengeschehen pünktlich zum Start in die Woche aus erfrischend neuen Blickwinkeln.

High-Performer und ein Dominator

Mein Espresso haucht mir neue Energie ein. Die habe ich heute auch bitter nötig, da ich sehr spät ins Bett gegangen bin. Gemeinsam mit meinem Sohn haben wir uns abends noch ein paar interessante YouTube-Beiträge angesehen. Die am meisten besuchte Website der Welt ist Google mit unglaublichen 83,9 Milliarden Aufrufen pro Monat. Dahinter folgt YouTube mit 32,7 Milliarden und Facebook mit 16,8 Milliarden Besuchern. Das sind unfassbare Zahlen, nicht wahr?

Apropos YouTube. Die Website wird in wenigen Tagen den ersten offiziellen Shopping-Kanal in Südkorea starten und den Besuchern 30 Marken per Livestream präsentieren. Irgendwie werden bei mir Erinnerungen an den einen oder anderen Shopping-Kanal wach, die in meinen Kindheitstagen in den 1980ern noch so populär waren. Irgendwie spannend, dass mehr als 30 Jahre später die größte Videoplattform der Welt auf ein ähnliches Konzept zurückgreift.

Kommen wir nun zu den Aktienmärkten, die kurz vor der Jahreshälfte auf eine ganz ansehnliche Wertentwicklung zurückblicken können. Die amerikanische Leitbörse S&P 500 hat seit Jahresbeginn um rund 15% zugelegt. Ohne Technologieunternehmen im Portfolio schaut die Lage aber ganz anders als. Lediglich sieben Unternehmen zeichnen sich für 84% der Gesamtperformance verantwortlich. Den größten Beitrag zur S&P 500 Wertentwicklung leistet Apple mit 18,8%, Microsoft mit 16,5% und Nvidia mit 14.8%. Damit machen diese drei Unternehmen 50% der Gesamtperformance aus. Und dem gegenüber stehen die anderen 497 Unternehmen, die in Summe auch 50% zur Index-Entwicklung beitragen. Das alte Sprichwort „Nur Cash macht fesch“ könnte man schön langsam in „Nur Tech macht fesch“ umwandeln. Naja, abgesehen dem 2022er Jahr natürlich.

Klassische ETFs versuchen, einen breiten Markt kostengünstig abzubilden. In den letzten Jahren ist das eines der Trendthemen schlechthin. Weltweit werden laut Morningstar rund $38 Billionen in Fonds veranlagt. Die größten Anbieter sind Vanguard mit $6,6 Billionen und iShares mit $2,9 Billionen, die gemeinsam einen Marktanteil von 25% für sich vereinnahmen und darüber hinaus zu den größten ETF-Anbietern der Welt zählen. iShares gehört BlackRock, dem weltweiten Branchenprimus. Das Unternehmen wurde 1988 gegründet, bietet eine breite Palette an Finanzprodukten und Dienstleistungen an und verwaltet auch das Geld von vermögenden Kunden. In Summe verwaltet BlackRock Vermögenswerte in der Höhe von $9 Billionen. Ein nicht unerheblicher Teil wird in Aktien investiert. Zu den Top-Investitionen gehören Apple ($170 Mrd.), Microsoft ($155 Mrd.) oder auch Amazon ($63 Mrd.). Der Börsenwert der Top-25 Investments beläuft sich auf über eine Billion US-Dollar und repräsentiert rund 30% des BlackRock-Aktien-Portfolios. Und damit gehört das Unternehmen bei vielen Unternehmen zu den Top-Aktionären. BlackRock kontrolliert z.B. 8% von Pepsi Co oder Waren Buffets Berkshire Hathaway, 7% von Coca-Cola oder Mastercard bzw. 6% von Amazon. Diese Liste lässt sich noch lange fortführen. BlackRock ist damit in der Lage, durch die Ausübung von Stimmrechten das globale Wirtschaftsgeschehen maßgeblich mitzubestimmen. Dadurch steht der Investmentkonzern auch immer wieder in der Kritik. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum BlackRock seit 2021 großen institutionellen Investoren das Recht einräumt, bei Aktionärsversammlungen die Stimmrechte selbst auszuüben.

Abschließend kommen wir noch zu einem weiteren High-Performer. Der Bitcoin-Kurs konnte Mitte der Woche erstmals wieder die 30.000 US-Dollar Grenze durchbrechen und hat sich damit seit Jahresbeginn nahezu verdoppelt. Für all jene, die im November 2021 eingestiegen sind, ist das wahrscheinlich nur ein schwacher Trost. Denn 100 damals investierte Euro sind heute nicht einmal 50 Euro wert! Diese Schwankungsbreite ist unglaublich und selbst für mich als hartgesottenen Aktieninvestor nur schwer erträglich. Und auch hier spielt BlackRock vermutlich eine dominierende Rolle. Es wird bereits vermutet, dass der BlackRock Bitcoin ETF in Kürze von der US-Börsenaufsicht nach jahrelang vergeblichen Versuchen endlich durchgewunken werden könnte. Und das wiederum würde vermutlich auch den einen oder anderen institutionellen Investor, wie z.B. eine Versicherung oder ein großer Pensionsfonds zu einem Investment bewegen. Ob die Gerüchte stimmen, wird die Zukunft weisen. Eines ist für mich aber klar: Das hohe Ertragspotenzial bezahlen Bitcoin-Investor:innen mit der einen oder anderen schlaflosen Nacht!

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