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Wöchentlicher Börsenbrief #39

FH JOANNEUM, 26.Januar 2024
Wöchentlicher Börsenbrief von Josef Obergantschnig 1

(c) FH JOANNEUM / Marion Luttenberger

Im wöchentlichen Börsenbrief von Josef Obergantschnig, Fachhochschullektor an der FH JOANNEUM und Gründer von ecobono, gibt es das Börsengeschehen pünktlich zum Start in das Wochenende aus erfrischend neuen Blickwinkeln.

Wall Street und Kulm auf der Jagd nach Rekorden

Diese Woche war es wieder so weit. Als Börsianer gibt es wohl nichts Erfreulicheres, als in den frühen Morgenstunden die Kaffeemaschine anzuwerfen und beim Scrollen durch die Nachrichten über die Meldung zu stolpern, dass der Dow Jones, der S&P 500 und der Nasdaq 100 ein neues Allzeithoch erreicht haben. Da schmeckt mein heißgeliebter Espresso doppelt gut. Die Rekordjagd setzt sich somit sowohl bei der Skiflug-Weltmeisterschaft am steirischen Kulm als auch an den wichtigsten US-Leitbörsen fort.

Die letzten Wochen waren geprägt von Vorhersagen und Prognosen für 2024. Zu den Top-Prognosen gehört, dass Anleihen ein Comeback als attraktive Asset-Klasse erleben, Indiens Wirtschaftswachstum Chinas übertrifft und der S&P 500 ein neues Rekordhoch erreicht. Damit haben wir bereits in der vierten Woche des noch jungen Jahres eine der Top-Prognosen erreicht.

Bei den Investor:innen stehen Technologieunternehmen, insbesondere solche, die das Thema Künstliche Intelligenz (KI) abdecken, hoch im Kurs. Als Börsianer befinde ich mich in einem emotionalen Zwiespalt. Einerseits freue ich mich natürlich über die gute Performance und das Erreichen neuer Höchststände, andererseits drängt sich die Frage auf, ob wir den Zenit bereits überschritten haben. In dieser Woche wurde ich im Rahmen eines Vortrags erneut gefragt, ob ich Parallelen zu den späten 1990ern sehe und ob wir gerade eine Internet-Blase 2.0 erleben. Diese Frage kann ich natürlich nicht seriös beantworten, denn niemand kann wirklich einen Blick in die vielzitierte Glaskugel erhaschen. Ich kann jedoch die aktuelle Situation bewerten und daraus meine Schlüsse ziehen.

Betrachten wir die Fakten, so sehen wir, dass die Aktienmärkte, insbesondere jene in den USA, fundamental betrachtet sicherlich nicht gerade günstig bewertet sind. Das ist unbestreitbar und klar. Doch wenn wir uns die Performance genauer ansehen, wird deutlich, dass ein Großteil der Kursgewinne zwischen 2020 und 2023 durch Gewinnsteigerungen und Dividendenzahlungen gestützt wurde. Tatsächlich lassen sich mehr als 85% der Kursanstiege auf diese Faktoren zurückführen, während der verbleibende Rest auf eine etwas teurere fundamentale Bewertung zurückzuführen ist.

Und genau darin sehe ich den entscheidenden Unterschied zu den späten 1990ern. Damals wurden viele Aktien nur aufgrund der Euphorie und der Erwartung sprudelnder Gewinne in naher Zukunft gekauft. Mit manch einem – und da möchte ich mich als damals noch sehr junger Fondsmanager definitiv nicht ausnehmen – sind sogar die Pferde durchgegangen. Mit Dollarzeichen in den Augen haben Käufer:innen die Aktienkurse in schwindelerregende Höhen gehoben. Und dieser Kursanstieg war damals definitiv nicht fundamental untermauert. Ob die Party an den Märkten auch 2024 weitergeht, wird erst die Zukunft zeigen. Ich persönlich blicke jedoch durchaus optimistisch in die Zukunft.

An den Finanzmärkten gilt es bereits als ausgemachte Sache, dass die Notenbanken in absehbarer Zukunft die Zinsen erneut senken werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist entschlossen und zuversichtlich, die Inflation in naher Zukunft auf den mittelfristigen Zielwert zurückzuführen. Obwohl Christine Lagarde, Präsidentin der EZB, diese Woche die Märkte noch nicht mit einer Zinssenkung überraschen konnte, bin ich sehr zuversichtlich, dass Kreditnehmer mit variablen Zinsbindungen im Laufe des Jahres noch von der ein oder anderen Zinssenkung profitieren werden.

Spannend finde ich, dass viele Expert:innen davon ausgehen, dass durch die Künstliche Intelligenz ein Wahlskandal ausgelöst werden könnte. In den Fabrikshallen und vermutlich auch in so manchen Bürogebäuden wimmelt es mittlerweile von arbeitenden Robotern. Ob diese jedoch auch die Wahllokale stürmen werden, wage ich (zumindest vorerst) zu bezweifeln.

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