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Wöchentlicher Börsenbrief #55

FH JOANNEUM, 17.Mai 2024
Wöchentlicher Börsenbrief von Josef Obergantschnig 1

(c) FH JOANNEUM / Marion Luttenberger

Im wöchentlichen Börsenbrief von Josef Obergantschnig, Fachhochschullektor an der FH JOANNEUM und Gründer von ecobono, gibt es das Börsengeschehen pünktlich zum Start in das Wochenende aus erfrischend neuen Blickwinkeln.

Bullen im Anmarsch: 2024, das Jahr der Rekorde

Diese Woche sind wieder einmal Rekorde gepurzelt. Und nein, lieber Leser, damit meine ich nicht meinen Espresso-Konsum. Beginnen wir beim amerikanischen Dow Jones Index. Dieser konnte am Donnerstag dieser Woche erstmals die 40.000er Marke überspringen und damit ein neues Allzeithoch erzielen. Als ich meinen ersten Job im Finanzbereich im April 1998 angetreten bin, lag der Index-Stand noch bei 9.000 Punkten. Wenn eine Investorin/ein Investor damals 100 Euro investiert hätte, wären daraus heute 444 Euro geworden. Die 10.000er Schwelle wurde erstmals 1999, also in der Blütephase der Internetblase, erreicht. Dann sollte es bis 2017 dauern, bis der Index erstmals die 20.000er Marke überschreiten konnte. Dazwischen lagen einige Börsenkrisen: der Bärenmarkt nach der Dotcom-Blase, 9/11, die Lehman-Pleite, die Euro-Krise oder auch die Flüchtlingskrise, um nur einige zu nennen. Aktien rücken immer stärker in den Fokus vieler Menschen. Die Verdoppelung von 20.000 auf 40.000 hat nicht einmal sieben Jahre gedauert. Mit einem Aktieninvestment in Dow-Jones-Unternehmen konnten Investor:innen in den vergangenen sieben Jahren eine Performance von etwas mehr als 10 % pro Jahr erwirtschaften. Und das trotz einiger historischer Ereignisse wie der Corona-Pandemie, dem Russland-Ukraine-Konflikt oder der außer Kontrolle geratenen Inflation.

Der Dow Jones Industrial Average (DJIA) wurde am 26. Mai 1896 erstmals berechnet und ist der zweitälteste Aktienindex der Welt. Der älteste Aktienindex ist der Dow Jones Transportation Average (DJTA), der am 3. Juli 1884 von Charles Dow entwickelt wurde. Charles Dow war ein renommierter Journalist und Mitbegründer des Wall Street Journal, während Edward Jones ein Statistiker und Geschäftspartner von Dow war. Zusammen schufen sie Indizes, die bis heute als wichtige Indikatoren für die Finanzmärkte dienen.

Die amerikanische Leitbörse schlechthin ist heute aber nicht mehr der Dow Jones, sondern der breitere S&P 500. Analog zum Dow Jones konnte auch dieser Index diese Woche ein neues Allzeithoch erklimmen. 2024 ist bisher ein sehr gutes Aktienjahr. Seit Jahresbeginn konnte der S&P 500 um ca. 11 % zulegen, der Dow Jones immerhin um 6 %.

Der S&P 500, oft einfach als SPX bezeichnet, wurde erstmals 1957 von Standard & Poor’s eingeführt. Der Index umfasst 500 der größten börsennotierten Unternehmen in den USA und gilt als einer der besten Indikatoren für die amerikanische Wirtschaft. Im Gegensatz zum Dow Jones, der nur 30 Unternehmen abbildet, bietet der S&P 500 eine breitere Marktübersicht und wird daher häufig als Benchmark für die Gesamtperformance des US-Aktienmarktes genutzt.

Und wenig überraschend hat auch die Technologiebörse Nasdaq ein neues Allzeithoch erreicht. Die Wertentwicklung seit Jahresbeginn liegt ebenfalls bei rund 11 %. Damit konnten Technologie-Aktien dieses Jahr den breiten Markt nicht „outperformen“. Das ist eine Entwicklung, die ich durchaus positiv beurteilen würde. Die Performance wird damit nämlich nicht mehr „nur“ von wenigen Unternehmen – also den glorreichen Sieben – getragen, sondern hat an Marktbreite gewonnen.
Die Nasdaq wurde 1971 gegründet und war die weltweit erste vollelektronische Börse. Sie entstand, um einen transparenten und automatisierten Handelsplatz für Investoren zu schaffen. Die Nasdaq ist bekannt für ihre Vielzahl an Technologieunternehmen und hat sich im Laufe der Jahre zu einer der größten Börsen der Welt entwickelt. Die Einführung einer elektronischen Handelsplattform revolutionierte den Börsenhandel und trug wesentlich zur Entwicklung des modernen Aktienmarktes bei.

Die Stimmung an den Börsen ist nach wie vor sehr gut. Für manche Investor:innen drängt sich schon ein Vergleich mit der Internetblase auf. Die Märkte sind für mich gegenwärtig zwar definitiv nicht mehr billig bewertet, aber auch nicht ansatzweise so „irrational“ wie in den späten 1990ern. Der weltweite MSCI All-Country-World-Index (ACWI) hat derzeit beispielsweise ein Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2024 von 17, der MSCI Emerging Markets von 12. Im Vergleich zu den 1990ern sind die Kursanstiege damit auch zu einem nicht unwesentlichen Teil fundamental – also auch mit Gewinnsteigerungen – untermauert und nicht nur auf Phantasie aufgebaut. Apple hat im letzten Jahr beispielsweise 121 Milliarden US-Dollar verdient, Microsoft stolze 105 Milliarden US-Dollar und Alphabet (Google) 96 Milliarden US-Dollar. Ich weiß natürlich nicht, was die Zukunft bringt. Als Aktionär habe ich jedoch gelernt, dass ich immer wieder mit massiven Kursrückschlägen rechnen muss. Die langfristig höhere Ertragserwartung bezahlen Investor:innen mit der einen oder anderen schlaflosen Nacht. Erfolgreich sind meiner Beobachtung nach jene, die konsequent ihre Strategie über viele Jahre durchziehen und nicht versuchen, durch kurzfristige Spekulationen zum Erfolg zu kommen. Es gibt die alte Börsenweisheit „Sell in May and go away“ – diese hat sich im Jahr 2024 definitiv nicht als keine kluge Strategie erwiesen.

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