Projekt

Zentrumsentwicklung Bad Erlach

Auftragsstudie

 
Zentrumsentwicklung Bad Erlach

Im Rahmen einer Auftragsstudie des Master-Studiengangs „Architektur“ der FH JOANNEUM sollte der Ortskern von Bad Erlach analysiert sowie städtebaulich und freiraumplanerisch gestaltet werden. Eine Verkehrsberuhigung und Platzgestaltung rund um das Malinahaus sowie dessen Revitalisierung und Umgestaltung in ein Regionalmuseum standen im Mittelpunkt.

Im Sinne eines Projektstudiums und der dadurch möglichen Bündelung der Kompetenzen haben sich Lehrende verschiedener Lehrveranstaltungen parallel und in enger Zusammenarbeit mit Bad Erlach befaßt. Hierzu zählen: Entwerfen im urbanen Raum, Freiraumplanung, Revitalisierung und Objektdesign. Zudem wurden individuelle Vertiefungen im Fach Projektarbeit entwickelt.

Die Gemeinde Bad Erlach ist eine recht kleine Gemeinde, 70 Kilometer süd-westlich von Wien liegend, mit rund 2500 Einwohnern. Die Nähe zu Wiener Neustadt und Wien macht den Ort durchaus auch für Berufspendler sehr interessant. Zudem verfügt die Gemeinde über eine Therme und verschiedene Gesundheitseinrichtungen. Das Wachstum der letzten Jahrzehnte hat hier leider – wie in vielen vergleichbaren Gemeinden – zu einer Zersiedelung geführt. Neubauten entstanden eher peripher und der Ortskern wurde dadurch geschwächt. Dennoch verfügt Bad Erlach nicht nur über einige sehens- und erhaltenswerte Gebäude, sondern auch über einen idyllischen Wasserlauf, der ortsbildprägend ist und ein großes Potenzial für Freizeit und Gesundheit darstellt.

Im Gegensatz zu vielen anderen ländlichen Orten ist Bad Erlach eine wachsende Gemeinde und benötigt deshalb zunehmend qualitätsvollen und leistbaren Wohnraum, sowie eine Infrastruktur, die gerade für Familien interessant ist und ein Miteinander der alteingesessenen und neu hinzugezogenen Bad Erlacher fördert. Gemeinden stehen in immer stärkerer Konkurrenz zueinander und so ist auch Bad Erlach gefordert, sich als Wohn- und Kurort einen besonderen Namen zu machen und sich von den Nachbargemeinden abzuheben.

Hinsichtlich der städtebaulichen Studien wurden deshalb Ansätze gewählt, die weit über das Ortszentrum hinausgedacht sind und sich mit der strukturellen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung von Bad Erlach in der näheren und weiteren Zukunft beschäftigen.

In der Lehrveranstaltung Entwerfen im urbanen Raum erarbeiten die Studierenden sich die fachlich-methodischen und die entwurflich-kreativen Grundlagen des Städtebaus. Dazu werden sie zunächst an das Arbeitsumfeld Stadt herangeführt. Sie trainieren, Stadtstrukturen zu lesen und zu bewerten, und entwickeln entsprechende sprachliche und graphische Fertigkeiten. Außerdem arbeiten die Studierenden experimentell und kreativ an der Entwicklung von städtebaulichen Strukturen sowohl in formaler als auch programmatisch-diagrammatischer Hinsicht.

Konkret heißt das für die städtebauliche Studie über Bad Erlach, dass viele Informationen gesammelt wurden, die es ermöglichen, sich ein Bild des Ortes und seiner Bewohner zu machen, um dann darauf aufbauend seine Potenziale herauszufiltern. Untersucht wurde beispielsweise, wie die Bevölkerungsstruktur aussieht, welche Infrastruktureinrichtungen vorhanden sind, welche Grünräume es gibt und was sie bieten können, welche Feste über das Jahr gesehen gefeiert werden, welche Vereine es gibt, etc. Daraus resultierend entwickelten die Studierenden spezifische Szenarien, die diese Potenziale aufgreifen und ausbauen.

Die hier vorgestellten städtebaulichen Konzepte befassen sich also einerseits mit dem neu zu gestaltenden Zentrum rund um das Malinahaus und entwickeln andererseits weiter gefasste städtebauliche Szenarien. Diese reichen von Vorschlägen zur Nachverdichtung des Ortskerns mittels verschiedener Gebäudetypologien über die Neu- und Umgestaltung des Uferbereichs der Pitten, die Schaffung eines Rundweges mit anliegenden Attraktionen, den Bau eines Aussichtsturmes bis hin zur Verlegung der Hauptstraße und der damit einhergehenden radikalen Verkehrsberuhigung des Ortskerns rund um das Malinahaus.

Viele der vorgeschlagenen Szenarien könnten sofort umgesetzt werden. Andere wiederum haben einen Zeithorizont von einigen Jahren oder sogar Jahrzehnten. In jedem Fall sind sie als Diskussionsgrundlage zu sehen, die in engem Austausch mit der Gemeinde und ihren Mitgliedern ausgearbeitet und konkretisiert werden können. Partizipation an Planungsprozessen ist zu einem entscheidenden Instrument im Städtebau geworden. Denn es hat sich in der jüngeren Vergangenheit gezeigt, dass die Möglichkeit zur Teilhabe an diesen Entscheidungen zu einer größeren Identifikation mit dem Wohnort führt. Und wer sich mit seinem Wohnort identifizieren kann, fühlt sich auch verantwortlich für ihn.

Text: DI Anke Strittmatter, M.A.

1. Preis Städtebau & 1. Preis Revitalisierung

Platz für Neues (Patrick Graz, Kevin Stockner)

2. Preis Städtebau

Befrei die 3 (Patrick Oberlojer, Kevin Tuller)

2. Preis Revitalisierung

Pulsschlag (Nina Bartl, Andrea Seifried)

3. Preis Städtebau

Platzgeflecht (Bernadette Litschauer, Thomas Solfelner