Event

Ungewissheiten in der Sozialen Arbeit und Volkswirtschaftslehre

Ringvorlesung zu „Facetten der Ungewissheit"

 

Von März bis Juni 2019 findet an der FH JOANNEUM in sieben Themenblöcken eine Ringvorlesung zu Facetten der Ungewissheit statt. Am 4. Juni 2019 geht es um Aspekte der Ungewissheit in der Qualität der Sozialen Arbeit sowie um abweichende Themen vom Mainstream in der Volkswirtschaftslehre.

Ungewisse Daten treten in vielen Bereichen auf. Ungenaue Messwerte, streuende Messergebnisse, unsichere Modellannahmen, vage Informationen oder unpräzise Aussagen sind nur einige Beispiele dafür. Sowohl bei der Planung, Berechnung, Produktion sowie bei Steuerungsprozessen als auch bei Entscheidungen müssen variable und unscharfe Daten berücksichtigt und ausgewertet werden. Die interdisziplinäre Ringvorlesung behandelt in sieben Blöcken verschiedene Facetten der Ungewissheit. Sie gibt einen Überblick über verschiedene Wahrnehmungen der Ungewissheit, wie sie insbesondere in anwendungsorientierten Wissenschaften auftreten, und zeigt Methoden des Umgangs mit ihnen auf. Die Ringvorlesung am 4. Juni 2019 wird vom Institut Soziale Arbeit sowie von der Abteilung Qualitätsentwicklung und -management der FH JOANNEUM veranstaltet und dreht sich um den Umgang mit Ungewissheiten in der Qualität der Sozialen Arbeit sowie um vom Mainstream abweichende Themen in der Volkswirtschaftslehre.

Soziale Arbeit und Ungewissheit – eine qualitativ wertvolle Verbindung (Gertraud Pantucek, Leiterin des Instituts Soziale Arbeit an der FH JOANNEUM)

Im Handlungs- und Wirkungsbereich der Sozialen Arbeit wird die Erbringung von angestrebter Qualität auf den Ebenen von Strukturen, Prozessen und Ergebnissen von hoher Ungewissheit begleitet. In welcher Form und ob es überhaupt gelingt, einen Betreuungsprozess und Beziehungsaufbau zu initiieren, welcher im Ergebnis einen gelingenderen Alltag und eine erhöhte Inklusion in gesellschaftliche Bereiche ermöglicht, benötigt Kreativität und Vertrauen in die Veränderungskraft von Individuen, Familien und Gruppen. Geglückte Kooperation mit Klientinnen, Klienten und ihren Netzwerken zeigt sich erst im Prozess und im Ergebnis von Betreuungsverläufen. Ziele und damit verbundene Änderungen in der Lebensführung und gesellschaftliche Teilhabe werden unmittelbar vereinbart – was davon erreicht wird, bleibt offen und ungewiss. Die Profession Soziale Arbeit kann demnach auch so gefasst werden, dass der Umgang mit Risiken und ein Sich-Einlassen auf Ungewissheiten wesentliche Elemente darstellen, um Wirkung und Entwicklung zu erreichen. Warum dies für Betreuungen, deren Dokumentation und der Beurteilung von Qualität in der Sozialen Arbeit entscheidend und bedeutsam ist, wird im Rahmen des Vortrags ausgeführt und diskutiert.

Ungewissheiten in den Wirtschaftswissenschaften (Peter Wilhelmer, Leiter der Abteilung Qualitätsentwicklung und -management)

In vielen Modellen der zeitgenössischen Wirtschaftswissenschaft wird postuliert, dass die Akteure alles wissen, was sie für ihre Entscheidungen zu wissen benötigen. Diese Annahme ist nicht nur hoffnungslos unrealistisch, sondern auch widersprüchlich: Betrachten wir einen Markt, in dem die Nachfrage nach einem bestimmten Gut, das auf diesem Markt angeboten wird, steigt. Nehmen wir weiter an – und mit dieser Annahme entfernen wir uns bereits von der Wirklichkeit –, dass alle Akteure davon ausgehen, dass die Nachfragesteigerung dauerhaft ist. Wenn nun alle unternehmerischen Produzenten dasselbe (technische) Wissen besitzen, das nötig ist, um weitere Güter herzustellen, und jeder weiß, dass diese Tatsache allen bekannt ist, wie soll der Einzelne seine konkreten Investitionen festlegen? Denn die Rentabilität der Investition des einzelnen Akteurs hängt davon ab, was die anderen tun. Je mehr Akteure Kenntnis von der (dauerhaften) Nachfragesteigerung und von den technischen Möglichkeiten der Produktion haben und je „vollständiger“ dieses Wissen ist, desto mehr steigt die Ungewissheit des Einzelnen mit Bezug auf die „optimale“ Reaktion.

Bernhard Plé, Professor für Soziologie und Empirische Sozialforschung an der FH JOANNEUM, moderiert gemeinsam mit Peter Wilhelmer das Event.

Wir laden Sie dazu herzlich ein und bitten um Anmeldung bis 28. Mai 2019 unter evelin.lanz@fh-joanneum.at.