Projekt

SISI – Smart City Judenburg durch Synergiepotenziale mit der Industrie

 
SISI – Smart City Judenburg

SISI steht für das Bestreben einer Stadt im oberen Murtal, sich als Smart City zu etablieren und durch die Nutzung von industrieller Überschussenergie in Kombination mit regionalen und erneuerbaren Energieträgern eine möglichst vollständige Energieversorgung zu erzielen.

Am Anfang des Projekts SISI stand die Grundlagenstudie PESI (FFG Nr. 845219), welche aufzeigte, dass eine Integration von industrieller Überschussenergie in den Energiemix einer Stadt machbar ist und so einen wesentlichen Teil des Endenergiebedarfs decken kann.

Im Rahmen des Projekts SISI wurde im nächsten Schritt ein Umsetzungsplan für die verstärkte energetische Kopplung zwischen Stadt und Industrie erarbeitet. Im Vergleich zum Stand der Technik, der die Integration von industrieller Abwärme mit instationärer Charakeristik als größtenteils problematisch und mit hohem Aufwand verbunden ansieht und andere industrielle Energiepotenziale vernachlässigt, wurde im Projekt industrielle Überschussenergie als integrierter Bestandteil des Umsetzungsplans angesehen.

Projektziele

Ziel des Projekts war die Integration von industrieller Überschussenergie, wie etwa Abwärme, Abwässer, Abfall oder Dachflächen für PV-Anlagen. Es wurde aufgezeigt, dass die energieintensive Industrie einen wesentlichen Beitrag zur Energieversorgungen des urbanen Raumes beitragen und somit einen Teil der bisher benötigten fossilen Energie ersetzen kann. Dies führt auch zur Einsparung von CO2-Emissionen und verringert die Abhängigkeit von Energieimporten. Ein weiteres Projektziel war eine möglichst vollständige Energieversorgung der Stadtgemeinde Judenburg durch Einbindung von regionaler und regenerativer Energie.

Nach Überprüfung der Potenziale von industrieller Energie sowie regionaler und regenerativer Energieträger wurden in Abstimmung mit kommunalen Entwicklungsplänen Ziele und Kennzahlen identifiziert und unterschiedliche Szenarien entwickelt. Die Umsetzbarkeit der unterschiedlichen Szenarien wurde in umfassenden Simulationen überprüft. Hierbei erfolgte auch eine Auswahl geeigneter Technologien, um eine Kosten- und Wirtschaftlichkeitsabschätzung unterschiedlicher Szenarien zu gewährleisten.

Foto: FH JOANNEUM
Wärmebedarfsdichten und Fernwärmenetze der Stadt Judenburg

Projektergebnisse

Die Projektergebnisse zeigen, dass industrielle Energie einen wesentlichen Beitrag zur Energieversorgung der Stadt leisten kann. Im Zusammenhang mit regionaler, erneuerbarer Energie wird ein Regionalenergiefaktor für Strom von 100 Prozent und für Wärme von bis zu 62 Prozent erreicht (Basis: Jahresenergiemengen). Nach Berücksichtigung der zeitlichen Übereinstimmung von Bedarf und Angebot werden Deckungsgrade von bis zu 57 Prozent für Strom und 47 Prozent für Wärme erreicht.

Basierend auf diesen Ergebnissen wurde eine Reihe an Handlungsempfehlungen erstellt:

  • Gründung einer Gesellschaft zur Umsetzung innovativer integrierter Energieprojekte.

  • Verstärkte Vermarktung der Stadtgemeine Judenburg als moderne, zukunftsgerichtete Energiestadt.

  • Installation von PV-Anlagen auf öffentlichen Dächern, Wohngebäuden der städtischen Wohnbaugesellschaft und Gewerbe- und Industrieflächen.

  • Installation von Wärmepumpen in Industriebetrieben zur Nutzung des Niedertemperaturabwasserpotenzials und Einspeisung ins Fernwärmenetz.

  • Installation von Wärmetauschern in Industriebetrieben zur Nutzung der Abwärme des Rauchgases und Einspeisung der Wärme ins Fernwärmenetz.

  • Umstellung von fossilen auf biogene Heizungsanlagen in Eigenheimen in den Stadtrandbereichen, die nicht mit Fernwärme versorgt werden können.

Nach erfolgreichem Projektabschluss im Frühling 2017 arbeitet die Stadt Judenburg aktuell an der Umsetzung ausgewählter Handlungsempfehlungen. Konkret werden momentan Gespräche zwischen der Stadtgemeinde Judenburg und Unternehmen geführt, um das Potenzial von Niedertemperaturabwärme zu nutzen. Durch die Installation von Wärmepumpen kann ein nutzbares Temperaturniveau erzeugt werden und somit eine Einspeisung in das Fernwärmenetz erfolgen, um Wohnanlagen zu beheizen.