Teaching Award 2020 – Gelunge Lehre trotz Distance Learning 6
Herzliche Gratulation an unsere Lehrenden zum Teaching Award 2020. Foto: FH JOANNEUM

Teaching Awards 2020 – Gelungene Lehre trotz Distance Learning

Linda Schwarz,

Studierende können an der FH JOANNEUM ihre Lehrenden für die Teaching Awards nominieren. Sechs von ihnen wurden nun im Rahmen des Didaktik-Tages für ihre Konzepte ausgezeichnet und Elisabeth Fattinger gewann sogar den Teaching Award Plus. Wir stellen die Preisträgerinnen und Preisträger vor und haben nachgefragt, wie sie ihre Studierenden auch im Online-Unterricht begeistern konnten.

Foto: © FH JOANNEUM / Privat

Ulrike Donner

Bachelorstudiengang „Ergotherapie

Was macht für Sie ausgezeichnete Lehre aus?
Die Lehre ist für mich ein ausgewogener Mix aus „Altbewährtem“ wie zum Beispiel das Aufzeigen von Sinn, Transparentes Strukturieren, Authentizität, Storytelling… plus eine große Portion Mut und Engagement zu kreativen und lustbetonten Techniken, die Spaß machen und in Erinnerung bleiben. Lehrende verstehen sich als verlässliche Wegbegleiter durch Höhen und Tiefen des Studiums, bleiben neugierig und dürfen auch von Studierenden lernen.

Wie begeistern Sie Ihre Studierenden?
Der Schlüssel liegt meines Erachtens in der Liebe und Begeisterung für die Lehre und Lehrinhalte an sich. Ganz nach Augustinus Aurelius: „Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen.“

Wie haben Sie die Lehre online umgesetzt?
Ganz ehrlich? Mit dem Wissen um die (noch) kürzere Aufmerksamkeitsspanne als Lernender vor dem PC, viel bunter und abwechslungsreicher als die Präsenzlehre. Das heißt: kurze und knackige Theorieinputs im Wechsel mit Übungen und Gruppenaktivitäten in Kanälen, ansprechende Präsentationen, aktive Nutzung der Chatfunktion, Verwendung verschiedener Online-Tools. Ich meine auch (oder gerade bei) Online-Lehre sollte der/die Lehrende menschlich „spürbar“ sein. Das schafft man mit vielen Beispielen, Storytelling und offener Fehlerkultur. Und ja, die Erfahrung zeigt: Begeisterung ist auch virtuell spür- und übertragbar!

Foto: © FH JOANNEUM / Privat

Marie-Therese Sagl

Bachelorstudiengang „Soziale Arbeit

Was macht für Sie ausgezeichnete Lehre aus?
Eine gelungene Lehre hat für mich immer etwas mit Balance zu tun. Als Lehrende versuchen wir das richtige Maß an Theorie und Praxis, Selbstverantwortung und Pflicht zur Aufgabenerfüllung, Spaß und Ernst, Nähe und Distanz, Aktivität und Zuhören, Innovation und altbewährtem Wissen, Individualität und Passung für die ganze Gruppe, und vielen Gegensatzpaaren mehr zu schaffen. Ist diese Komposition ausgewogen und die Balance gelungen, ist auch die Lehre gelungen.

Wie begeistern Sie Ihre Studierenden?
Die eigene Freude und Begeisterung für das Thema lassen den Funken oft überspringen. Auch versuche ich authentisch zu bleiben und in Beziehung mit den Studierenden und deren Erfahrungen, Vorwissen, Interessen und Persönlichkeiten zu gehen. So entsteht eine Lernatmosphäre, in der die Studierenden Wertschätzung erfahren und sie sich auch gut auf Neues einlassen können.

Wie haben Sie die Lehre online umgesetzt?
Anfangs war die Online-Lehre auch technisch eine große Herausforderung. Nach dieser Hürde galt es eine abwechslungsreiche und methodisch gut strukturierte Didaktik im digitalen Raum anzuwenden. Hier ist die Aktivierung der Studierenden nach wie vor eine große Herausforderung. Es gibt aber mittlerweile unglaublich tolle Tools und Materialien, die die Online-Lehre bereichern können. Neben der Basisfunktion von Moodle, MS Teams oder Zoom wären dies beispielsweise Miro, wonder.me, Answergarden, wheelofnames.com und viele mehr. So bringe ich Abwechslung in meine Online-Lehre und motiviere die Studierenden selbst aktiv zu werden und sich zu beteiligen.

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Ulrike Pölzl-Hobusch

Bachelorstudiengänge „Journalismus und Public Relations (PR)“ und „Informationsmanagement

Was macht für Sie ausgezeichnete Lehre aus?
Ausgezeichnete Lehre ist SMART mit Herz, das heißt Studierenden-zentriert, motivierend, aktuell, relevant und immer das Produkt eines funktionierenden Teams. Sie ist das Ergebnis von jahrelangen Erfahrungen in der Domäne in Kombination mit Menschlichkeit, Begeisterung und Offenheit. Die besten didaktischen Überlegungen sind ganz eng an Persönlichkeitsentwicklung geknüpft. Gerade im „Corona-Jahr“ steht und fällt die Kontinuität in der Hochschullehre mit den technischen Möglichkeiten und Kompetenzen, aber sie sind am Ende des Tages nur Mittel zum Zweck.

Wie begeistern Sie Ihre Studierenden?
Eine professionelle, wertschätzende Lehrenden-Studierenden-Beziehung und echtes Interesse an der Lebenswelt unserer Studierenden ist die Basis für Arbeit auf Augenhöhe. Gruppendynamik und Beziehungen der Studierenden untereinander können durch die Auswahl der Lernaktivitäten positiv beeinflusst werden. Lernbereitschaft und Engagement auf Studierendenseite bedingt des Weiteren Motivatoren wie erfolgreiche, durch kontinuierliches Feedback begleitete Kompetenzerweiterung, Anerkennung guter Leistungen, als sinnvoll empfundene Aufgabenstellungen, die Übertragbarkeit der Inhalte auf ihre Lebenswirklichkeit, Entfaltungsmöglichkeiten, sowie entsprechende Eigenverantwortung und Mitbestimmung im Lernprozess.

Wie haben Sie die Lehre online umgesetzt?
Eine gut strukturierte Lernumgebung zu schaffen ist ein essentieller Hygienefaktor. Diese allein wird per se keine Studierenden „vom Hocker reißen“. Speziell im „Corona-Semester“, dem Sommersemester 2020, wo Präsenzlehrveranstaltungen von einem Tag auf den anderen auf reinen Onlineunterricht umgestellt wurden, ist sie aber unverzichtbar um Studierende zu Partizipation zu motivieren im Sinne der LV-Inhalte. Den hohen Standards in der digitalen Infrastruktur und dem Angebot von einschlägigen Schulungen ist es zu verdanken, dass sich die Lernumgebung an der FHJ als „Corona-proof“ erweist und den Lehrenden zunehmend Gestaltungsmöglichkeiten im Distance Learning ermöglicht. Darüber hinaus brauchen Studierende Klarheit hinsichtlich Assignments und Prüfungsmodalitäten.

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Bernhard Fuchs

Bachelorstudiengang „Mobile Software Development

Was macht für Sie ausgezeichnete Lehre aus?
Als erstes spiegelt sich die Qualität der Lehre meiner Meinung nach in der Intensität der Interaktion des Lehrenden mit den Studierenden wider. Ich persönlich versuche, mir immer wieder folgende Fragen zu stellen: Wo stehen die Studierenden gerade? Habe ich den aktuellen Punkt gut kommuniziert oder wäre es besser, wenn ich ihn noch einmal wiederhole? Ein zweiter Benchmark für ausgezeichnete Lehre ist für mich die Qualität der Fragen, die nach meiner Lehrveranstaltung von den Studierenden beantwortet werden sollen. Dabei wird erkennbar, ob sie neue Probleme lösen oder nur auswendig gelernte Punkte aufzählen können. Es wird zudem sichtbar, ob sie vernetzt denken, das Gelernte im größeren Kontext einordnen und in der Praxis anwenden können.

Wie begeistern Sie Ihre Studierenden?
Ich versuche, die Inhalte so zu strukturieren, dass sie für mich selbst spannend sind. Neben der fachlichen Kompetenz ist es auch wichtig, authentisch zu sein und zuzugeben, wenn man eine Frage nicht im Detail beantworten kann. Wichtig ist für mich auch, die Grundprinzipien und Werte der Wissenschaft zu kommunizieren. Wir als (angehende) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stehen auf den Schultern all derer, die vor uns gekommen sind. Wie kann ich mir dieses Wissen aneignen, um es entweder in die Praxis umzusetzen oder um – auf diesem Wissen aufbauend – etwas noch nicht Dagewesenes zu entwickeln?

Wie haben Sie die Lehre online umgesetzt?
Verglichen mit der Präsenzlehre bekommt man bei der Onlinelehre als Lehrender tendenziell wenig Feedback, wodurch die Gefahr besteht, dass die Qualität der Lehre leidet. Das beste Mittel, um die Aufmerksamkeit der Studierenden nicht zu verlieren, ist intensive Kommunikation und häufiges Rückfragen zu dem, was die Studierenden verstanden haben. Hilfreich ist auch das Arbeiten in Kleingruppen, wobei außer mir möglichst viele der Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihre Kameras eingeschaltet haben, um ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen. Es ist mir nämlich wichtig, die soziale Komponente auch in die Online-Lehre einzubeziehen. Deshalb plane ich auch am Anfang einer Einheit eine kurze Zeit für Smalltalk oder einige Minuten gemeinsames Online-Spielen ein. Auf Englisch lässt sich diese Idee mit „to touch base with someone“ ausdrücken.

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Brigitte Loder-Fink

Bachelorstudiengang „Ergotherapie

Was macht für Sie ausgezeichnete Lehre aus?
Ausgezeichnete Lehre heißt für mich, Studierende für Lehrinhalte begeistern zu können. Ausgezeichnete Hochschullehre aus didaktischer Sicht zeigt sich meines Erachtens auch, wenn eine Umstellung der Lehrinhalte auf virtuelle Lehre das Lernergebnis und die Lernmotivation der Studierenden nicht schmälert.

Wie begeistern Sie Ihre Studierenden?
Ich versuche durch den Einsatz unterschiedlicher Methoden meine Lehre abwechslungsreich zu gestalten, immer Verbindungen zu anderen Lehrveranstaltungen und zur Praxis aufzuzeigen und viel Erfahrungswissen zu vermitteln. Dabei merke ich die Begeisterung der Studierenden für die ergotherapeutische Arbeit.

Wie haben Sie die Lehre online umgesetzt?
Mit viel Flexibilität, auch von Seiten der Studierenden. Ich nutze seit der COVID-19-Pandemie unterschiedliche digitale Unterrichtsmethoden von Inverted Classroom bis hin zu digitalem Peer-Lernen. Dabei habe ich trotz viel Kreativität und Ideen auch Grenzen der Online-Lehre erfahren müssen. Zum Beispiel, dass viele Praxisinhalte nicht ohne den physischen Kontakt mit den Studierenden mit dem gleichen Lernerfolg vermittelt werden können. Neben vielen neuen Möglichkeiten, die Online Lehre mit sich bringt, ist auch der erstmalige Aufwand für die Erstellung der Materialien nicht zu unterschätzen. Nichtsdestotrotz bin ich überzeugt, dass die Digitalisierung zur Weiterentwicklung klassischer Lernszenarien führt und die Erschließung neuer Zielgruppen im Hochschulbereich mit sich bringen wird.

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Barbara Fischer

Bachelorstudiengang „Hebammen

Was macht für Sie ausgezeichnete Lehre aus?
Gute Lehre bedeutet für mich: fordern, fördern und aus Fehlern lernen.

Wie begeistern Sie Ihre Studierenden?
Ich bin selbst begeistert von meinen Themen, ich denke, das steckt an. Daneben kann ich aus vielen Jahren Praxiserfahrung berichten und versuche dabei system- und selbstkritisch zu bleiben sowie mich inhaltlich aber auch didaktisch immer weiterzuentwickeln. Und ich versuche eine durch gegenseitigen Respekt und Wertschätzung geprägte Lernumgebung zu gestalten mit einer konstruktiven Fehlerkultur.

Wie haben Sie die Lehre online umgesetzt?
Sofort, als im Frühling die Umstellung auf Online-Lehre absehbar wurde, habe ich mich zusammen mit meinen Kolleginnen richtiggehend in die Verwendung von MS-Teams hineingekniet und versucht, schnell alle Möglichkeiten kennenzulernen, die dieses System zu bieten hat um diese dann auch tatsächlich in ihrer ganzen Vielfalt nutzen zu können. Die Lehrtermine wurden aufgeteilt in synchrone und asynchrone Bearbeitungsphasen. In den meist ein- bis eineinhalbstündigen Videokonferenzen wechselte ich eher kurze Inputs von meiner Seite mit kooperativen Lernprozessen ab, bei denen die Studierenden mit Chat, Kursnotizbuch, Wiki und Forms in MS-Teams arbeiteten. Für die asynchronen Phasen bereitete ich Lernmaterialien in Form von eingesprochenen Präsentationen, Demonstrationsvideos und Literaturauszügen vor, und stellte den Studierenden dazu Anwendungs-, Diskussions- und Selbstüberprüfungsaufgaben, die sie innerhalb einer bestimmten Frist zu bearbeiten hatten. Der Einheitlichkeit wie auch der Übersicht halber einigten wir uns am Studiengang darauf, hierfür weiterhin die bereits bekannten und bewährten Tools auf Moodle zu nutzen. In den ersten Wochen bat ich die Studierenden nach jedem Lehrtermin um Rückmeldung und konnte so mit einigen Nachjustierungen meine Online-Lehre innerhalb von zwei Wochen auf ein für alle Beteiligten sehr zufriedenstellendes Niveau bringen.

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Elisabeth Fattinger

Bachelorstudiengang „Ergotherapie
Elisabeth Fattinger wurde mit dem Teaching Award Plus ausgezeichnet.

Was macht für Sie ausgezeichnete Lehre aus?
Ausgezeichnete Lehre hat so viele Formen, wie es ausgezeichnete Lehrendenpersönlichkeiten und methodische Zugänge gibt. Was für mich aber immer dazu gehört, sind Offenheit und Respekt den Studierenden gegenüber, sowie die Freude daran, sie für Inhalte zu begeistern und aktiv einzubinden. Weiters braucht ausgezeichnete Lehre natürlich fachliche Kompetenz und die solide Anwendung grundlegender didaktischer Konzepte und Tools, aber auch die Bereitschaft der Lehrenden, selbst immer weiter zu lernen.

Wie begeistern Sie Ihre Studierenden?
Indem sie sich in meinen Lehrveranstaltungen selber stark als Ressource für ihr eigenes Lernen erfahren und einbringen können; etwa durch Peer-learning-and teaching Aufgaben, oder indem ich sie ermutige, ihre eigenen Bezüge, Erfahrungen, Fragen zum Thema der Lehrveranstaltung zu formulieren, diskutieren, und einzuordnen. Letzteres macht auch die Relevanz von Themen greifbarer für sie. Andererseits natürlich, indem ich meine eigene Begeisterung für ein Thema mit ihnen teile; dazu gehört für mich in der forschungsgeleiteten Lehre auch die Darstellung des Spannungsbogens zwischen dem Wesentlichen, Reduzierten, Anschaulichen an einem Thema einerseits und seiner Vielschichtigkeit und Komplexität andererseits. Zu guter Letzt - Mut zur Abwechslung in der Methodenwahl lohnt sich immer.

Wie haben Sie die Lehre online umgesetzt? Ich habe fast ausschließlich synchron und mittels MS Teams unterrichtet, und das hat eigentlich besser funktioniert als ich es erwartet hatte. Anfangs zerbrach ich mir natürlich den Kopf darüber – wie vermutlich viele von uns – wie meine in der Präsenzlehre praktizierten Zugänge funktionieren sollten, und erforschte eine Reihe von digitalen Tools, was sehr bereichernd war. Schließlich stellte ich jedoch fest, bestätigt durch positive Rückmeldungen meiner Studierenden, dass eine Handvoll einfacher Grundanwendungen innerhalb von MS Teams (und Moodle) reichen, um Studierende online aktiv mit einzubeziehen und meine Lehre lebendig zu gestalten: etwa die Chat-Funktion für Fragen, kurze Rückmeldungen oder Brainstorming; das Arbeiten in getrennten Channels für Gruppenaufgaben und Präsentationen / Diskussion in kleineren Teams; die Whiteboard-Funktion zur Visualisierung gemeinsamer Inhalte, Wikis; Kurzvideos (in Moodle-Foren) oder Microsoft Forms für Quizzes oder Abstimmungen. Noch mehr Augenmerk als in der Präsenzlehre verlangen aber die Klarheit und Struktur in den Abläufen sowie die bewusste Herstellung des Gefühls einer „Lerngemeinschaft“.

Didaktik-Tag

Beim Didaktik-Tag werden Aspekte der erfolgreichen, innovativen Hochschullehre behandelt und Lehrende der FH JOANNEUM mit den Teaching Awards ausgezeichnet. Am 9. Dezember 2020 fand der Didaktik-Tag zum elften Mal statt, allerdings zum ersten Mal online. Passend dazu lautete das zentrale Thema der Veranstaltung: „Total digital?! Im Lockdown Begeisterung für eTeaching entfachen!“. Zu Gast waren Expertinnen und Experten von außerhalb und innerhalb der FH JOANNEUM, die informative Vorträge verfolgen konnten.

Durch den Didaktik-Tag führte Harald A. Friedl.

Eine der Expertinnen war Birgit Phillips der Universität Graz, mit ihrem Vortrag: „Von der Rezeption zur Partizipation: aktivierende Online-Lehre als Katalysator für Studierendenmotivation“. Hier können Sie den Vortrag nachsehen:

Ligia Pasqualin, Lehrende am Institut International Management der FH JOANNEUM, gab Tipps und Tricks zum Thema „Turning eLectures into inspiring events“.

Verena Hohenwarter, Vorsitzende der öh joanneum, berichtete hingegen über die Schwierigkeiten und Bedürfnisse Studierender der FH JOANNEUM beim COVID-Online-Teaching.